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DAS MAGAZIN FÜR VERSCHWÖRENDE

Hoffnung oder Angst - Was motiviert mehr im Kampf gegen den Klimawandel und für eine bessere Welt?

Aktualisiert: 28. Nov. 2022

Klimaaktivisten zeichnen ein düsteres Bild von einer Welt, die bald schon weit über 2 Grad über dem Normalwert liegen wird. Und um dieses Schreckensbild in unsere Köpfe zu bringen, greifen sie zu verzweifelten Taten. Sie kleben sich auf Straßen, an Kunstwerke und blockieren Flughäfen. Doch funktionieren diese Angstgeschichten überhaupt noch? Haben sie jemals funktioniert? Oder sind nicht viel mehr hoffnungsvolle, positive Geschichten die erfolgreicheren. Geschichten, die uns eine erstrebenswerte Zukunft zeigen, eine Welt, die vielleicht sogar besser ist als die heutige?


Welches narrative Konzept ist stärker?


Wir haben fünf gute Gründe gefunden, die für Geschichten sprechen, die uns Angst machen. Und auch fünf gute Gründe, die für Geschichten sprechen, die uns Hoffnung geben. Entscheiden müsst ihr selbst:


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Fünf gute Gründe für die Angst: Warum wir Geschichten brauchen, die uns in Alarm versetzen


1. Gefühle, die uns in Alarm versetzen

Angst, Empörung und Wut sind Emotionen, die unsere volle Konzentration einfordern. Ihnen wird die meiste Aufmerksamkeit geschenkt und Informationen, die diese Emotionen auslösen, werden intensiver registriert. Jeder, der Social Media nutzt, weiß das (leider) zu gut.


Lea Dohm und Mareike Schulze, Psychotherapeutinnen und Gründerinnen der deutschen „Psychologists / Psychotherapists for Future (Psy4F)“ kommen in ihrem Buch „Klimagefühle“ daher zu dem Urteil, dass Emotionen wie Klimaangst, Scham oder Schuld durchaus mobilisierend wirken können. Denn es sind Abwehrreaktionen, die uns aktivieren. Um zu „kämpfen“, braucht es das Gefühl der Bedrohung – und daher sollten diese Emotionen gezielt kommunikativ genutzt werden.



2. Krisengeschichten fördern das Bewußtsein

„Climate anxiety is an important driver for climate action” – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der University of Bath/England. Dafür wurden 10.000 Menschen unter 25 aus unterschiedlichen Ländern befragt – mit dem Ergebnis, dass die meisten jungen Menschen angesichts des Klimawandels ängstlich in die Zukunft blicken. Je mehr die Befragten aus betroffenen (südlichen) Ländern stammten, umso größer war ihr Angstgefühl. Menschen aus Ländern, die derzeit noch wenig betroffen sind, waren weniger ängstlich und weniger handlungsbereit. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass Klimaangst helfen kann, Emotionalität und Anteilnahme bei Menschen zu erhöhen, um solidarisches Handeln zu ermöglichen. Regel Nummer eins für Krisenmanager:innen und Grundlage jedes Handbuchs für Issue Management: „sense of urgency“ vermitteln. Erfolgreiche Krisenbewältigung funktioniert nur dann, wenn auch ein ausreichender Grund für unmittelbares Handeln gesehen wird. Wachrütteln ist also notwendig – und dazu braucht es drastische Bilder und Geschichten.

Und dabei geht es gar nicht so sehr um die Vermittlung tatsächlicher Fakten. Viel wichtiger ist die Wahrnehmung und der individuelle Eindruck jedes Einzelnen: „Die bedeutendste Herausforderung unserer Tage ist nicht der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität oder Pandemien. Das bedeutendste Problem ist unsere kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. In den sozialen Medien gibt es eine Industrie der Falsch- und Desinformation, was der Polarisierung der Gesellschaften Vorschub leistet und dazu beträgt, dass wir angesichts der kollektiven Herausforderungen unfähig sind, zusammenzuarbeiten… Wir haben entweder ein zu romantisches Bild von der Zukunft oder aber ein falsches“. (Club of Rome New Report 2022).


3. Warnung vor dem Unsichtbaren

„In einem Teich wächst eine Seerose. Sie verdoppelt jeden Tag ihre Größe, doch ihr rasantes Wachstum fällt keinem auf. Nach 29 Tagen ist der halbe Teich frei. Am 30. Tag jedoch ist der Schrecken groß: die Wasseroberfläche ist vollständig von der Seerose bedeckt.“ 1972 nutze der Club of Rome dieses Gleichnis, um vor dem exponentiellen Wachstum der Klimakatastrophe zu warnen. Einer Katastrophe, die vor fünfzig Jahren noch nicht sichtbar war. Der Teich im Gleichnis repräsentiert die Erde. Die Seerosen stehen für die Menschen-Millionen, die bald alles Leben ersticken würden, wenn ihrer unkontrollierten Vermehrung und ihrem ständig wachsenden Ressourcenverbrauch nicht Einhalt geboten wird. Heute sind die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar. Jedoch nicht überall. Und so müssen wir mit Nachdruck den Teufel an die Wand malen, um Gehör zu finden:

„Als Junge, als junger Mann, da hatte ich Bilder vom 21. Jahrhundert im Kopf. Aber ich habe keine Vorstellung von 2050 oder 2100 – außer Verfall oder Zusammenbruch.“ (Kulturjournalist Simon Reynolds 2020).

Wir brauchen diese warnenden Bilder, um uns vor einer tatsächlich möglichen Dystopien zu retten.



4. Die Kraft negativer Gefühle

„Its easier to scare people than to give them hope.” Kim Stanley Robinson, ScienceFiction-Autor erklärt auf einer Klimakonferenz der New York Times („How Storytelling Can Help the Climate Cause“) nicht nur das Erfolgskonzept spannender Geschichten, er verweist auch darauf, dass „das Negative“ vielfältiger ist als das Positive und attraktiver für unseren Geist. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der Psychologen Rumen Iliev vom Toyota Research Institute in Los Altos und Will Bennis der Wissenschaftsuniversität Prag: „Für die größere Vielfalt und die stärkere Wirkung des Negativen haben Psychologen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Belege gefunden. So erinnern sich Menschen zum Beispiel besser an schlechte Ereignisse. Sie erkennen Wörter mit finsterer Bedeutung schneller, von denen es in den meisten Sprache auch noch mehr gibt: Der vom Schlechten besetzte semantische Raum dehnt sich weiter aus als der vom Guten reklamierte. Die Beschreibung negativer Emotionen greift zum Beispiel auf einen größeren Wortschatz zurück als die glücklicher Zustände. Stärker beachtet werden schlechte Nachrichten sowieso. (…) Bleibt die Frage, warum das Schlechte denn vielfältiger ist? Darüber lässt sich nur spekulieren. Eine Idee: Negative Ereignisse provozieren größeren Analyse-Druck – um sie künftig vermeiden zu können.“ (Sebastian Herrmann in SZ 4. Mai 2022) Angstgeschichten provozieren uns. Diese Geschichten sind aufregender, spannender und packender. Sie bieten „Action“ und „Suspense“. Versetzen uns in Alarmstimmung und aktivieren uns. Sie rufen uns zum Kampf. Wir können zu Helden werden, die antreten für die Welt zu kämpfen und sie zu verteidigen. Positive, hoffnungsspende Geschichten dagegen lassen uns eher passiv und träge verweilen. Happy End ist garantiert. Diese Geschichten sind vorhersehbar und langweilig. In ihnen sind andere die Helden, die uns zeigen, welch heile Welt auf uns wartet. Hope-Stories bieten „Vorfreude“, „Zufriedenheit“ und „Gelassenheit“ – genau das Gegenteil von dem, was wir jetzt und heute brauchen.


5. Der Markt belohnt Dystopien

Science Fiction-Literatur und Filme sind voll von Dystopien: egal ob Metropolis (1927) oder Dune (2021) - die heldenhaften Protagonisten der Zukunft agieren in der Regel vor der Kulisse zerstörter Landschaften und auseinanderfallender Gesellschaften. 1851 tauchte der Begriff „ScienceFiction“ erstmals beim britischen Dichter William Wilson auf und das 19. Jahrhundert war durchaus noch geprägt von einem positiven, zuversichtlichen Blick in die Zukunft, die mit Hilfe von Technik besser werden würde. Aber parallel zum Wissenschaftsglauben entstand auch eine Technikangst und -kritik, die ab der Mitte des 20. Jahrhunderts dieses Genre dominierte. Prominente Vertreter dieser Literatur sind Aldous Huxley „Schöne neue Welt“ oder Georg Orwells Roman „1984“. Dystopien wurden zum Verkaufsschlager. Aber nicht nur in Kunst und Literatur dominieren die düstern Zukunftsaussichten den Markt, auch im Journalismus gilt „Bad news are good news“ oder „If it bleeds, it leads“. Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach besser als gute. Wie wir alle noch nachdrücklicher aus Twitter & Co wissen. Das hat schlicht mit unserer Aufmerksamkeitsökonomie zu tun. Negative Gerüchte verbreiten sich schneller als positive Gerüchte. Aber was solls. Bedienen wir den Markt. Denn Schnelligkeit ist genau, was wir heute brauchen.




Fünf gute Gründe für die Hoffnung: Warum wir Geschichten brauchen, die uns Mut machen



1. „Start with Why“

Der Kommunikationsexperte Simon Sinek hat mit seiner Theorie der „Golden Circle“ bewiesen, dass erfolgreiche Redner, Sprecher, die ein Publikum motivieren können, in der Regel ihre Rede mit einem motivierenden „Reason Why“ starten. Das Fazit seines mehr als berühmten TEDx-Talks ist daher „Start with Why“. Nur, wer einen guten Grund sieht, zu handeln, wird auch tatsächlich aktiv. Zukunft – und das Nachdenken darüber – macht keinen Spaß mehr, denn sie ist besetzt von dystopischen Bildern: Klimakatastrophe, das Ende der Demokratie, ein Seuchenzeitalter und neuerdings der Atomtod. Was uns fehlt, sind Utopien. Keine Fantasiewelten, in die wir uns flüchten können, sondern positive Ideen davon, wie wir in zwanzig, dreißig Jahren leben wollen. Oder gar in hundert.“ Was Joshua Beer in seinem Artikel „Mut zur Utopie“ im Juli 2022 in der Süddeutschen Zeitung schreibt, spricht vielen Menschen aus dem Herzen. Anstatt uns in Angst zu versetzen, sollte man uns viel besser Mut machen. Noch dazu, wo - nach Einschätzung von Psychologen - auf der Erde mehr Optimisten leben als Pessimisten. Und so sehen wir unsere persönliche Zukunft auch gar nicht so negativ. Laut einer Studie der BertelsmannStiftung geben 65 Prozent der Deutschen an, optimistisch auf die eigene Zukunft zu blicken. Alle Geschichten, die uns darin bestätigen, wie wir diese positive Zukunft erreichen, sind motivierend.

2. Selffulfilling Prophecy

"Die Zukunft ist schon jetzt eine Katastrophe (…). Klimawandel, Insektensterben, Umweltkatastrophen (…) Eine solche Vorstellung von der Unvermeidbarkeit der Zukunft ist eigentlich Merkmal eines religiös geprägten Weltbildes. Seit der Aufklärung war dieser Determinismus überwunden, nun kehrt er in Form populärwissenschaftlicher Erzählungen sowie dystopischer Science-Fiction-Romane und Filme wieder in die Köpfe zurück. Diese Art der Erzählung ist besonders mächtig, denn es sind gerade die Fiktionen, die unsere Vorstellung von der Zukunft stark in eine Richtung lenken können.“ Nicolas Freund warnte in seinem Essay „Das Ende ist nah“ bereits 2019 vor der schädlichen Wirkung angstmachender Klimaerzählungen. Denn Freund weiß, welche Kraft in Geschichten steckt: Narrationen bestimmen unser Handeln. So wie wir uns die Welt erzählen, so entwickeln wir sie auch. Wollen wir also wirklich in eine post-faktische Zeit vor und zurückfallen? „Gerade die Literatur hat eine wichtige Funktion für das Denkbarmachen von Zukunft und Alternativen zu bestehenden Ordnung. Obwohl das 20. Jahrhundert von vielen Zukunftsängsten geprägt war, schien das, was kommt, doch die meiste Zeit über besser werden zu können als das, was schon war. Vielleicht versteckt sich in der anhaltenden Nostalgie für die verschiedenen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts auch eine Sehnsucht nach der Zukunft, die sie einst versprach. (…) Der Möglichkeitsraum der Zukunft, den die Moderne eröffnete, blieb bestehen, verengte sich aber. Von Jugendbüchern wie Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“ bis zu Romanen wie Cormac McCarthys „Die Straße“ sind die Dystopien und der Weltuntergang in den letzten Jahren zum Mainstream geworden. Utopien gibt es nur noch als Nostalgie. „Star Trek“ – einst die Vorwegnahme einer klassenfreien Gesellschaft im amerikanischen Fernsehen – jetzt als Remake. Diese Tendenz zur Katastrophe als einzige verbleibende Möglichkeit zeigt sich längst auch jenseits der Fiktionen (…) Das, was kommt – auch in Fachbüchern und Essays – scheint wieder quasireligiös determiniert zu sein. Es gibt kein Kontinuum an Möglichkeiten mehr, sondern nur noch einen eng umgrenzten Bereich von Katastrophen, die so oder so ähnlich eintreten sollen (…). `Wir müssen lernen, bestimmte Automatismen abzustellen´, so Kulturwissenschaftler Joseph Vogl. An Katastrophenentwürfen mangelt es derzeit nicht, was fehlt, ist das kurze Innehalten des Menschen und die Reflexion in ihrem Angesicht. In Utopie-Entwürfen und ihren dystopischen Pendants geht es selten um die Zukunft, sondern meistens um die Gegenwart. Diese sollte sich nicht nach den Prophezeiungen richten, sondern die Erzählungen einer Welt, die sie sein könnte, zur Analyse dessen nutzen, was ist. Damit die Katastrophe nicht zur einzigen Alternative wird. (Nicolas Freund in „Das Ende ist nach“ / SZ 3.5.2019)


3. Erschreck mich nicht

Auf Katastrophenmeldungen lösen in der Regel drei Reaktionen aus: 1. Fluchtreflex – Wir fliehen vor der Aufgabe und Verantwortung. 2. Angststarre – wir wissen gar nicht wo anfangen und tun erst einmal gar nichts. Oder aber 3. Leugnen – der Klassiker der Krisenbewältigung. Wir tun einfach so, also ob uns das gar nichts angeht und als ob das alles auch gar nicht wahr ist. Allein dies sind schon ausreichende Gründe, warum wir uns mehr auf positive, hoffnungsvolle Geschichten konzentrieren sollten. Hinzu kommt aber auch noch: Angst mach unkreativ. Nicht hilfreich für die Aufgaben, die vor uns liegen. Denn angesichts des Klimawandels fordern auch Wirtschaftswissenschaftler wie Ngaire Tui Woods auf dem World Economic Forum in Davos 2022: „Wir brauchen eine positive Haltung, um Probleme zu lösen.“ (WEF / The Great Narrative – A call for action). Und sie ergänzt die Diskussion noch um einen wichtigen weiteren Aspekt: „Wenn Menschen Angst haben, dann wählen sie Leute, die vorgeben, sie von dieser Angst zu befreien,“ Ngaire Tui Woods sind einen klaren Zusammenhang zwischen Angsterzählungen und dem zunehmenden Erfolg von Populismus. Wir hören, was wir hören wollen: Menschen meiden Informationen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Psychologen nennen dieses „kognitive Verzerrung“. So sehr wir uns vielleicht wünschen würden, dass wir rationale Wesen sind und den Fakten ins Auge blicken, so sehr müssen wir anerkennen, dass dies nicht der Fall ist. Und mit dieser Schwäche arbeiten. Vielleicht ist es aber sogar eine Stärke, dass wir Negatives gerne ausblenden. Optimismus ist eine Form der Stressbewältigung und er geht einher mit Motivation und Selbstregulierung. Optimistische Erwartungen bezüglich eines Problems oder einer Aufgabe führen zu Engagement und zu kontinuierlichem Bemühen. Wir wollen Ziele erreichen, anstatt aufzugeben. Neurologische Untersuchungen zeigten sogar, dass bei Optimisten mehr Gehirnregionen aktiv sind als bei Pessimisten – so sind die Gehirnareale, die autobiografisches Wissen speichern, die Amygdala und der Gyrus cinguli überdurchschnittlich aktiv. Und Optimisten sind in der Regel gesünder als Pessimisten, außer wenn sie so optimistisch sind, dass sie unvorsichtig werden. (Wikipedia)

4. Schluss mit dem „dramatischen Dauerfeuer“

Daher muss endlich Schluss sein mit dem dauerhaften Alarmzustand. Wir leben ohnehin in einer Welt der Dauerkrise: „Die banalsten Alltagsprobleme werden inzwischen zum „Notstand“ aufgebauscht. Wir sind ständig umgeben von Katastrophen und können die tatsächlichen gar nicht mehr erkennen (…) daher hilft auch Katastrophen-Rhetorik nicht mehr - „Klopapier-Notstand“, „Lieferketten-Notstand“, „Pflege Notstand“, „Schiedsrichter Notstand“ (…) Große und kleine Engpässe werden heute fast gleichwertig berichtet. „War im Jahr 2011 in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften noch rund 750-mal von „Notstand“ die Rede, so tauchte der Begriff 2019, also vor Corona, schon 2400-mal in der Presse auf. (…) Es scheint, als wäre einigen Leuten die Bedeutung von „Dringlichkeit“ abhandengekommen (…) Und wenn allerorts Alarm herrscht, werden echte Alarmsignale leicht übersehen“. So Till Krause im SZ-Magazin im Juli dieses Jahres. „Crisis is the new normal”: 15 bis 20% unserer täglichen Gedanken drehen sich um Krisen (wie Klimawandel, Pandemie, Krieg etc.). „Darüber hinaus ist aber auch der „Event Horizon“ unserer hypermedialen Kultur auf eine ständige Befindlichkeitsübung geschrumpft: Wie geht es mir heute? Was gibt es zu beklagen, zu befürchten, zu verneinen? Worüber kann ich mich aufregen? Wir sind gefangen im „Dringlichkeits-Wettrüsten“, wie es die US-amerikanische Publizistin Jenny Odell beschreibt. Diese Panik, die um irgendetwas kreist, kann morgen schon vergessen hat, strukturiert unser Zeitgefühl. Alles kann zum Shitstorm werden, jede Information zum Clickbaiting. Das Unbedeutende wird gigantisch, das Wichtige verschwindet. Wir leben in der Twitterkratie, der Anomalie der Gegenwart. Und auf diese Weise schwindet die Zukunft.“ – so stehts im Zukunftsreport 2022 unter dem bezeichnenden Titel „Das rasende Jetzt“ vom Zukunftsinstitut. Die ständige Dauerbefeuerung mit Krisen, Alerts und Shitstorms lässt uns abstumpfen. Und so verkümmert unsere Aufmerksamkeit auf alarmierende Signale, die eigentlich für die „Discover“-Phase der klassischen Krisenbewältigung notwendig wäre.

Und Social Media macht das Ganze nicht einfacher. Dabei hätte man schon längst aus der Vergangenheit lernen können: „Wer heute über den apokalyptischen Sound der Klimaaktivisten stöhnt, der hat vergessen, wie die Bücher, die zwischen 1971 und 1973 zu dem Thema erschienen sind, betitelt waren: „Bevölkerungsbombe“ (Paul Ehrlich); „Selbstmordprogramm. Zukunft oder Untergang der Menschheit“ (Gorden Rattray Taylor); „Müllplanet Erde“ (Hans Reimer); „Die totale Autogesellschaft“ (Hans Dollinger); „Wachstumswahn und Umweltkrise“ (Barty Commoner) oder „Der Zukunftsschock“ (Alvin Toffler). All diese Horrorgeschichten haben nichts bewirkt.“ (Jörg Häntzschel „Im Raumschiff“ / SZ 25.6.2022) Warum also glauben wir immer noch, dass man mit Schreckenserzählungen Menschen motivieren kann?


5. Es geht nur um die Hoffnung...


Letztendlich geht es nur um die Hoffnung – und nicht so sehr darum, alles vollständig zu erreichen:

„Wer hofft, kann an Utopien basten, ohne sie je völlig erreichen zu müssen.“ so Joshua Beer in seinem Essay „Mut zur Utopie“ (SZ 3.7.2022).

Und es hilft auch nicht, Menschen zu beleidigen und ihnen immer und immer wieder an den Kopf zu werfen, dass sie alles falsch gemacht haben in ihrem bisherigen Leben:„Nobody reacts well, when being told to be wrong.” meint Oliver Jeffers, Visual Artist und Autor, treffend auf der Klimakonferenz der New York Times („How Storytelling Can Help the Climate Cause“).

Menschen suchen nach Anerkennung, Orientierung und gute Gründe, um zu handeln. Nur das können ihnen positive, hoffnungsvolle Geschichten geben.



Jetzt bist du dran...

Fünf gute Gründe, warum Geschichten, die uns alarmieren, die besseren sind. Und fünf gute Gründe, warum Geschichten, die uns Mut machen, die besseren sind. Die Entscheidung liegt letztendlich bei dir.


Über die Verschwörung [für das Gute]

Wir sind ein ThinkTank - eine Gruppe an Kommunikationswissenschaftlern, Beratern und Marketingexperten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, auf die Bedeutung von Kommunikation im Rahmen der Klimawandel-Debatte aufmerksam zu machen und für die Kraft des Storytellings zu sensibilisieren. Wir analysieren Stimmungen, Trends und Narrative, schmieden inspirierende und verführerische Gegengeschichten, und stellen sie engagierten Einzelpersonen, Organisationen und Unternehmen zur Verfügung, damit diese Menschen überzeugen und sicherer gewinnen können - um dem Klimawandel besser entgegen wirken zu können.

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